„Wir hoffen, dass auch andere Schulen diesen Weg gehen“

Zweite „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ im Saalekreis

Die Sekundarschule, die am 24. Oktober 2012 in Bad Dürrenberg den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekam, gehört bautechnisch gewiss nicht zu den Vorzeigeobjekten des Landkreises. Was dem Engagement der SchülerInnen für einen toleranten, diskriminierungsfreien Schulalltag aber keinen Abbruch tat. Der Tag der Titelverleihung stellte den Höhepunkt einer ganzen Projektwoche dar, in der so Einiges aus dem Themengebiet Demokratie- und Toleranzförderung stattfand.

„Wer seine Mitmenschen achtet, wird selbst geachtet“ zitierte Schulleiter Volker Ohlemann in seiner Begrüßung und brachte unmissverständlich zum Ausdruck: „Das macht uns alle stolz!“, womit er auf den errungenen Titel, aber auch auf das dazu geleistete Engagement abzielte.

Das riefen anschließend auch vier Schülerinnen nochmal in Erinnerung und stellten in ihrer gemeinsamen Rede zudem klar, dass „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR-SMC) nicht als Zustandsbeschreibung, sondern als Anspruch verstanden wird. „Es ist unser Tag, wir haben es geschafft, den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu erlangen“, so die Schülerinnen stolz. Der Schülerrat hatte die Beteiligung an der Kampagne als wichtig erachtet und auf die Agenda gesetzt. Ein extra gebildetes „SOR-Team“ hat dann Sorge dafür getragen, die Verantwortung zu übernehmen, Aktivitäten zu planen und zu koordinieren.

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So einiges hatten die SchülerInnen in Vergangenheit bereits durchgeführt, manches gerade ganz aktuell im Rahmen der stattfindenden Projektwoche. Dazu gehören u.a. Geocaching in Merseburg, Besuch einer Ausstellung zum NS-Zwangsarbeitslager in Spergau aber auch eine Ausstellung mit dem Titel „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“, die gerade in der Schule selbst gezeigt wurde. Am selben Morgen nutzten die SchülerInnen zudem die Möglichkeit, sich von Verbrechen der Nationalsozialisten aus erster Hand berichten zulassen. Als zukünftige Projekte sollen Stolpersteine verlegt werden, um an ehemalige MitbürgerInnen zu erinnern, die im Dritten Reich deportiert und ermordet wurden.

Die Motivation der Schülerschaft lag klar auf der Hand: „Wir wollen dazu beitragen, dass ein friedliches Miteinander möglich ist. … Und wir wollen unsere Möglichkeiten nutzen, um Erinnerung wach zu halten und Demokratie und Toleranz zu stärken.“

Im kulturellen Rahmenprogramm eingebettet war die offizielle Berufung der PatInnen. Neben der Total-Raffinerie und dem Landtagsmitglied Frank Bommersbach (CDU) reihte sich auch Landrat Frank Bannert (CDU) mit ein. Bannert machte klar, dass ihm das Thema generell wichtig sei: „Wir wollen nicht nur eine Schule ohne Rassismus, wir wollen eine Welt ohne Rassismus.“ Auch mit Blick auf aktuelle Geschehnisse im Landkreis brachte der oberste Verwaltungschef zum Ausdruck: „Verschweigen bringt nichts, damit macht man sich mitschuldig. … Es gibt junge Leute, die sind unbelehrbar – wider besseren Wissens.“ Das wollte Bannert als Auftrag verstanden wissen: „Wir hoffen, dass auch andere Schulen diesen Weg gehen, damit die Rechten sehen, dass sie auf dem falschen Weg sind.“

„Wir wollen füreinander da sein. Wir wollen füreinander einstehen. … Die Dinge miteinander anpacken, ist das, was uns stark macht“, meinte Landtagsmitglied Frank Bommersbach und will, diesen positiven Aufbruchgedanken auch zukünftig über Bad Dürrenberg heraustragen.

Am folgenden Musikstück sind SchülerInnen der Schule beteiligt, die ihre Wurzeln in unterschiedlichen Ländern haben. Sie brachten ihre Botschaft für eine weltoffene, zukunftsfähige Gesellschaft modern und musikalisch auf den Punkt: „Wir sind alle gleich, egal aus welchem Land. … Wir erreichen mehr, denn wir stehen auf Toleranz. … Lasst uns gemeinsam geh`n und alte Ängste überwinden.“ Lehrerin Frau Nitsch, die für den Programmablauf und die Moderation verantwortlich zeichnet, ist sichtlich stolz auf das Engagement ihrer SchülerInnen: „Ohne Euch wäre das nicht möglich gewesen.“ Ihr Dank geht auch an die Eltern und andere UnterstützerInnen, die diese Titelerringung möglich gemacht haben.

Cornelia Habisch von der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen-Anhalt koordiniert die Kampagne „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ im hiesigen Bundesland. Sie stellte klar, dass es mit der Titelerringung längst nicht getan sei. Den Titel errungen zu haben, „das ist ein Versprechen“, niemanden herabzusetzen und für ein Klima Sorge zu tragen, wo niemand Angst vor dem anderen haben müsse. „Ihr habt die Nase ganz vorn“ so Habisch, mit Verweis darauf, dass die Borlach-Schule erst die zweite Bildungseinrichtung im Saalekreis ist, die sich an der Kampagne beteiligt.

Die offizielle Titelverleihung übernimmt an diesem Tag die Ukrainerin Frau Anastasia Gulei aus Kiew. Mit Unterstützung der Geschichtswerkstatt Merseburg-Saalekreis e.V. ist die KZ-Überlebende derzeit im Saalekreis zu Gast. Direkt vor der Veranstaltung hat sie noch ihre persönliche Geschichte und die einer  Generation osteuropäischer Mädchen und Jungen, die großteils zu Opfern des NS-Systems wurden, SchülerInnen der Borlach-Schule in einem Zeitzeugengespräch nahegebracht. Damit machten die SchülerInnen auch deutlich, sich verantwortungsvoll mit der eigenen Geschichte und der Schuld, die Deutschland auf sich geladen hat, auseinanderzusetzen und sich für eine demokratische und weltoffene Gesellschaft einzusetzen.

 

LAP Koordinierungsstelle

 

 
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