„Mal ein von den im gotthardtsteich ersaufen oder am baum aufknüpfen“

Neonazis im Saalekreis hetzen und drohen weiterhin im Internet und auf der Straße.

Im Januar 2014 formierte sich der rechte Mob bei Facebook unter dem Motto „Merseburg gegen Asylanten“. Nach rassistischen Ausfällen in Sozialen Netzwerken folgten in den kommenden Wochen mehrere Angriffe auf Migranten und Asylsuchende in Merseburg und Schkopau. Als Reaktion auf eine antirassistische Demonstration am 01. März 2014, bei der Solidarität mit den betroffenen rassistischer Gewalt bekundet wurde, starteten Neonazis der „Aktionsgruppe Merseburg“ und der NPD unter rassistischem Motto eine Gegendemonstration. Einer der rechten Angreifer führte die Demonstration an, was offenkundig als Solidarisierung mit dem Täter und der Gewalttat verstanden werden musste. Seit einem weiteren rechtsmotivierten Angriff Ende Mai 2014 sitzt der 19Jährige in der Justizvollzugsanstalt ein.


Screenshot: Facebook

Aktuell hetzen Rechte und Neonazis aus der Region wieder verstärkt im Internet gegen „scheiß Ausländer“ und „scheiß Presse“ – „die brauchen alle auf die fresse“ (Fehler wie im Original). Zum Anlass nehmen sie dabei Straftaten in Merseburg. Laut Facebook-Kommentaren soll es sich bei den Tätern um Ausländer handeln. Einer will „diese Untervölker … in (einen) Zug stopfen und ab die Post nach B.Wald.“  Die nächste Merseburgerin meint: „scheiß affen gesinndel und dann regen se sich auf wen die in der nacht angegriffen werden die hässlichen pissschweine.“ Der nächste will „auf neger jagt gehen“ und will „als warnung mal ein von den im gotthardtsteich ersaufen oder am baum aufknüpfen“, damit „sie begreifen das die in ihrem verseuchten land bleiben (sollen)“. Ein anderer will „diese scheiß Schweine alle anbrennen“. Nicht nur mit Demokratie und Rechtsstaat stehen die rechten Facebok-Nutzer auf Kriegsfuß, sondern offensichtlich auch mit deutscher Rechtschreibung.


Screenshot: Facebook

Klar wird dabei schnell, dass der Anlass geeignet ist, völkisch-rassistischen Schubladen im Kopf zu bedienen. Die Trennlinie verläuft zwischen „Deutschen“ und „Ausländern“. Auch wenn mutmaßliche Täter längst nicht ermittelt sind, wer „deutsch“ ist, wird am Aussehen festgemacht. Wer nach rassistischer Schablone nicht zur imaginären „Volksgemeinschaft“ gehört, gilt als Feindbild. Fehlverhalten einzelner kommt da gelegen, um endlich mal wieder ungeniert über alle abhetzen zu können, die man in Deutschland nicht dulden will.


Screenshot: Facebook

Ins Visier von Neonazis geraten schnell auch demokratische Parteien – vor allem, wenn sie für gesellschaftliche Vielfalt und Zuwanderung streiten, wie die Grünen. Der Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel, der Kreisverband seiner Partei und auch das Wahlkreisbüro am Merseburger Bahnhof gelten bei der lokalen Neonaziszene als ausgemachte Feindbilder. Während der grünen Mitgliederversammlung am 09. September 2014 postieren sich Neonazis gegenüber des „Grün.Lokals“. Nicht zum ersten Mal versuchen sie hier auf offener Straße Menschen einzuschüchtern, die nicht in ihr Weltbild passen.


Foto: privat

Erst drei Stunden vorher hatte Ex-NPD-Kreistagsmitglied Rolf Dietrich die Veranstaltung unter dem Motto „Härtere Strafen für kriminelle Ausländer“ als Spontanversammlung angemeldet. Eine Häufung von Straftaten, wie sie die Neonazis heraufbeschwören, kann das Polizeirevier Saalekreis auf Nachfrage nicht bestätigen. Den Kundgebungsteilnehmern wird das auch egal sein. Mit 22 Teilnehmenden aus Halle, dem Saalekreis und dem Burgenlandkreis hat die „nationale Jugend“ eine Kundgebung abgehalten und „Sebastian Striegel hat abgekotzt!“, brüstet sich NPDler Rolf Dietrich danach. Am selben Abend fliegen noch handtellergroße Eisbrocken und auch ein Stein vor das Wahlkreisbüro, während die Grünen drinnen noch ihre Sitzung abhalten. Die gegenüberliegende Wohnung, in der sich noch einige der vorherigen Kundgebungsteilnehmer aufhalten, wird zum Ziel des folgenden Polizeieinsatzes. Gegen einen 33Jährigen ermittelt die Polizei nun wegen gefährlicher Körperverletzung.

LAP Koordinierungsstelle | 10.09.2014
 
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